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Geistiger Bewegungsmelder   "Texte"

Löcher im Hemd

Sie sitzen auf der Terrasse, trinken Rotwein und erzählen und blicken auf die Wiese vor dem Wald, ob sich die Reiher mit ihrem Jungen sehen lassen.
In der Tischdecke, die von der Sonne schon ganz ausgeblichen ist, - nur der herunterhängende Teil an der Schattenseite läßt noch das ursprüngliche Orange erkennen, sind schon einige Löcher.

Mitten in die Unterhaltung hinein sagt der Eine: „Hier sind ja Löcher in der Decke“.

„Ja, und?“ sagt der Andere, „ist das schlimm?“

„Nee, das sind Gebrauchsspuren“, sagt der Dritte.
„In einem Katalog hab ich mal gesehen, da haben sie Wüstenlampen von Beduinen mit Gebrauchsspuren angeboten.“

„Zum Segeln nehme ich immer mein altes Ringelshirt mit, welches auch schon einige Löcher hat“, sagt der Andere. „Einmal haben mich welche glattweg für einen einheimischen Skipper gehalten und gefragt, ob ich deutsch spreche. Das passte irgendwie; braungebrannt, stoppelbärtig und mit ausgefransten Jeans und nem löchrigen Shirt.“

„Ich hab nen alten Pullover, von dem ich mich ungern trennen möchte,“ sagt der Dritte, „da hab ich ein Loch in der Schulter selbst gestopft. Fragt mich doch letztens jemand, ob das jetzt modern sei“.

„Und, was haste gesagt?“ fragt der Eine.

„Das ist jetzt voll in“, grinst der Dritte und sagt zu dem Einen: „Übrigens hat Dein Hemd im Ärmel ein Loch. Musste mal stopfen.“

„Nee, das bleibt so,“ sagt der Eine, „ist mein Holzhackhemd.“

„Das ist wie mit Gesichtern,“ sagt der Andere. „Mir ist eines mit Kerben und Lachfalten lieber als ein geliftetes, - darin kann man noch lesen und nen Menschen erkennen.“

© Christian Koch

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