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Geistiger Bewegungsmelder "Aus dem Bauch heraus" oder auch "Die Laus auf meiner Leber"

Ein Jahr geht schnell vorüber
... und es hat uns gelehrt, dass Geld nicht alles ist auf der Welt.

Erst hat es ein wenig gezischt, aber da hat noch niemand etwas drauf gegeben. Hach, so ein bischen Druckabfall können wir verkraften, sagte der Finanzjongleur zu sich selbst, und goß sich noch einen Gierlikör ein. Mmmh, wie der runterölte. Dann machte es PENG und der Dominoeffekt tat ein übriges.
Wie es nun um alle steht, wissen wir. Und die arme Autobranche erst, jo mei, was tun die mir leid. Nix gegen einen knurrenden Magen von Menschen hart an der Armutsgrenze, - die kennen das. Sind das gewohnt, packen das schon. Aber die zartbesaiteten Autobauer? Ich fühle mit Ihnen.

Ach wäre ich doch nur Pirat geworden, - dann brauchte ich mich nicht um Aufträge kümmern, weil die mir vor der Nase vorbeischwimmen würden. Man würde mir auch nicht viel antun; weil, - na ja, die Menschenrechte und so und die Rechtslage hier und dort und die Mandate und die Opposition und überhaupt alle, die gern labern und ihren Senf dazu geben und so vergessen, mal richtig durchzugreifen. Aber auch das soll sich jetzt ändern. Also doch lieber nicht Pirat.

Was hätte ich werden sollen?

Politiker? Dazu bin ich nicht verschlagen und redegewandt genug. Das reicht bei mir nicht mal zum Dorfbürgermeister.

Bänker auch nicht, ich konnte noch nie gut mit Geld umgehen. Deshalb habe ich auch keines. Andererseits habe ich auch jetzt nix verlieren können; - hab gewonnen sozusagen.

Ein krisenfester Job ist Preiserhöher. Das ist einer, der findet in jeder Branche einen Job, wird immer gebraucht. Und Argumente findet man immer, um das den Leuten plausibel zu machen. Und wenn der eine Preiserhöher schneller war, - einer muss ja immer der erste sein, kann man sich auf diesen berufen und braucht gar nicht viel zu argumentieren. Aber irgendwann wird es ja auch mal langweilig. Nee, doch nicht.

Oder einfach nur Verbraucher. Also einer, der nur verbraucht, sonst nix. Der wird doch vom Ministerium beschützt und weiß, dass krumme Gurken nix taugen, aber nun doch wieder zugelassen sind, weil ja unsere Vorfahren davon auch nicht gestorben oder mutiert sind und wir davon keinen krummen Rücken bekommen. Den eher vom Buckeln. Aber dagegen gibt es ja nun wieder Rückenschulen und Pilates.
Also Fitnesstrainer. Das ist es. Kannste mit nem geilen Outfit rumhampeln und den Leuten erklären, wie falsch sie sich doch bewegen und ernähren und überhaupt.
Nee, da gehe ich lieber hier draußen im Wald spazieren und habe darüberhinaus frische Luft und nicht den Schweißgeruch vom hantelnden Türsteher der Kreisstadtdisco in der Nase.

Schwierig, schwierig, ohne Geld oder fürs Geld das Leben zu meistern. Obwohl es ja, wie wir gesehen haben, so ziemlich virtuell ist. Also die Summen, die irgendwo stehen. Scheine dazu kann man sich ins Portemonnaie stecken. Aber der Gegenwert dazu ändert sich doch stündlich, - wenn nicht minütlich. Fahre ich in die Stadt und sehe an der Tanke den Benzinpreis, denke ich, auf der Rückfahrt musste tanken. Da haben die dann aber schon wieder einen ganz anderen Preis.
Und diese Werbescheiße im Briefkasten. Da fahren doch Leute wirklich irgendwohin um da ein Schnäppchen zu machen und vergurken Benzin und fahren sich die Reifen ab und schleifen mit der Kupplung, weil sie keinen Parkplatz finden und haben hinterher noch Magenschmerzen vom vielen fluchen. Schon freut sich der Apotheker.
Oh ja, denen geht es auch gut. Aber das wäre mir zu anstrengend. Jede Pillenbezeichnung und die Zusammensetzungen kennen, - von den Nebenwirkungen ganz zu schweigen. Denn dafür ist ja ebendieser verantwortlich. Wer kennt den Spruch nicht.

Bei Wilhelm Busch gibt es irgend so einen Frommen, der hat das ganze Jahr im Wald gesessen, Tau getrunken und Moos gegessen.
Auch nicht so das Wahre. Wenigstens Rotwein könnte es sein. Ich könnte ja statt für Geld nur noch für Rotwein arbeiten. Aber was, wenn der Kunde nicht pünktlich bezahlt, - sprich: liefert?
Ich würde austrocknen. Will ich aber nicht.

Ich bin also was ich bin. Was hätte ich sonst werden sollen?

Vielleicht Künstler? Ja, ich habs. Ein klein wenig kann ich es schon.

Lebenskünstler.

Und nicht immer ans Geld denken. Besser an mich und die klitzekleinen Freuden im Leben.
Ich lege die Hand auf meinen kleinen Bauch und spüre das Gluckern darin, verursacht durch Rotwein und knoblauchverseuchtes selbst zubereitetes Essen, - das Glucksen fährt weiter abwärts ...

© Christian Koch

vom 24.12.2008, (1944 mal haben Leute dieses gelesen)

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