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Geistiger Bewegungsmelder "Aus dem Bauch heraus" oder auch "Die Laus auf meiner Leber"

Die Ankündigung des E-Books und meine persönliche Nostalgie
... ich bevorzuge, was man richtig anfassen kann.

Zweifelsohne stellt die Digitalisierung literarischer Werke einen großen Fortschritt auch als eine Art von Archivierung dar, ob sie aber den Kultur- und Geistesgegenstand Buch als solchen ersetzt, ist unter anderem auch eine Geschmacksfrage. Das E-Book bringt Vorteile schon allein wegen des Umfanges am geschriebenen Wort, der dort abrufbar ist, gemessen an Stapeln von Hardcoverbänden. Aber es birgt auch die Gefahr, der heutigen junge Generation, die eh schon viel zu viel Zeit des Tages an Bildschirmen verbringt, auch noch das letzte Gespür für kulturelle persönliche Dinge zu nehmen.
Sicherlich liegt mein Broterwerb auch im digitalen Bereich, - aber nach getaner Arbeit wird dieser abgeschaltet.
Was ist es doch für ein schönes Gefühl, ein Buch aus meinen selbst gebauten Bücherregalen in die Hand zu nehmen, aufzuschlagen, den Geruch des Papiers und der Druckerschwärze aufzunehmen, und einzutauchen in die geschriebenen Wörter und deren Welt. Ich habe immer einige Bücher parallel in der Mache, je nach Stimmung. Manches liegt dann auch länger ungelesen herum und ich muss mich dann erst wieder einlesen. Die Lesezeichen variieren zwischen Notizzetteln, abgerissenen Zeitungsstreifen, Blättern, und manchmal auch Bindfäden, die meine jüngste Tochter vom Basteln hat herumliegen lassen.
Die Bücher sind auch gezeichnet von den Orten des Lesens; welche mit gewellten Seiten, wenn sie in der Badewanne zuviel Feuchtigkeit abbekommen haben, eines hat Rotweinflecken, und auch Sand von der Ostsee findet sich zwischen den Seiten.
Meine wichtigsten Bücher behandle ich allerdings ehrfurchtsvoll.
Ich könnte mir nicht vorstellen, mit einem E-Book am Strand zu sitzen, wo ich irgendeinen Sonnenschutz speziell dafür haben muß, um auf dem Bildschirm etwas zu erkennen, und per Knopfdruck die Seiten umblättern muß. Oder in der Badewanne. Und immer die Gefahr, daß irgendwann, - vielleicht bei einer wichtigen Passage, der Akku leer ist.
Allerdings gestehe ich ein, dass lexikale Recherchen mit diesem Medium natürlich bedeutend komfortabler und schneller sind. Man muß also abwägen, was einem im Moment von Vorteil ist, - der Zeitgewinn oder der Literaturgenuß.
Aber wenn ich ein dickes Lexikon in den Händen halte, spüre ich wenigstens ein wenig von dem Gewicht der Erkenntnisse der Menschheit, die in diesem Buch enthalten sind.
Und ich brauche es nur aufzuschlagen, - nicht anknipsen, hochfahren, runterfahren.

Und das geht auch bei Kerzenschein.
Schön.

© Christian Koch

vom 16.10.2008, (2619 mal haben Leute dieses gelesen)

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